Beim Solar-Contracting finanziert, baut und betreibt ein spezialisierter Anbieter die Solaranlage auf Ihrem Dach. Sie kaufen ihm den Solarstrom günstiger ab als Netzstrom, bei veröffentlichten Modellen für 80–85 % des Netztarifs. Bei der Dachmiete erhalten Sie stattdessen ein Entgelt für die Fläche. Die Verträge laufen meist 25 Jahre.
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Das Wichtigste in Kürze
- Contracting lohnt sich vor allem bei hohem Eigenverbrauch, die Dachmiete bei Dächern ohne nennenswerten Verbrauch (EnergieSchweiz).
- Grosse Anbieter verlangen meist 1’000–2’000 m² Dachfläche, einige beginnen bei 400–500 m².
- Laufzeit: bei den meisten Anbietern 25 Jahre, nach EnergieSchweiz meist 25–35 Jahre. Danach geht die Anlage oft kostenlos an Sie über.
- Im Rechenbeispiel bringt der Kauf über 20 Jahre drei- bis viermal so viel wie das Contracting, braucht zunächst CHF 212’000 Kapital, nach Auszahlung der Förderung CHF 155’200.
- Stand 25.10.2026. Preise in Rp./kWh veröffentlichen die meisten Anbieter nicht; sie rechnen pro Projekt.
- Stand 25.10.2026
- Quellen am Ende des Artikels
Welche drei Modelle gibt es?
Drei Modelle sind in der Schweiz verbreitet. Sie unterscheiden sich darin, wer den Solarstrom nutzt und wofür Sie bezahlen.
| Modell | Wem gehört die Anlage? | Was Sie zahlen oder erhalten | Passt für |
|---|---|---|---|
| Energieliefer-Contracting | Contractor | Sie zahlen pro kWh Solarstrom, den Sie verbrauchen | hohen Eigenverbrauch |
| Anlagenpacht | Contractor | Sie zahlen eine feste Gebühr pro Jahr und nutzen den Strom selbst | gut planbaren Verbrauch |
| Dachmiete | Contractor | Sie erhalten ein Entgelt, der Strom geht ins Netz | wenig Eigenverbrauch |
Energieliefer-Contracting: Der Contractor plant, finanziert, baut und unterhält die Anlage. Sie beziehen den Solarstrom zu einem vereinbarten Preis, den Rest weiterhin aus dem Netz. Den Überschuss verkauft der Contractor.
Anlagenpacht: Statt pro kWh zahlen Sie eine jährliche Gebühr. Ein Energieversorger bietet dieses Modell in seinem Netzgebiet an: eine jährliche Contractinggebühr über 25 Jahre, die Einspeisung wird Ihnen gutgeschrieben, danach gehört Ihnen die Anlage.
Dachmiete: Sie stellen nur die Fläche zur Verfügung. Der Betreiber speist den Strom ein und zahlt Ihnen ein Entgelt, jährlich oder einmalig im Voraus. Ihren Strom kaufen Sie weiter zum vollen Tarif. EnergieSchweiz zählt die Dachmiete deshalb nicht zum klassischen Contracting.
Was zahlen oder erhalten Sie pro kWh und pro Jahr?
Feste Preise in Rp./kWh oder Mieten in CHF pro m² veröffentlicht in der Schweiz kaum ein Anbieter. Die Preise hängen von Dachgrösse, Eigenverbrauch und Netzanschluss ab. Diese Beispiele sind öffentlich (abgerufen 25.10.2026):
| Anbieter oder Projekt | Modell | Preis oder Entgelt | Laufzeit |
|---|---|---|---|
| Grosser Energieversorger in der Deutschschweiz, ab 2’000 m² | Contracting oder Dachmiete | konstanter Preis pro kWh, nicht veröffentlicht; Dachmiete als fixer Betrag pro Jahr | 25 Jahre |
| Städtisches Elektrizitätswerk, Dachvermietung ab 6’000 m² | Contracting oder Dachmiete | tiefer Fixpreis, nicht veröffentlicht; jährlicher Mietzins | 25 Jahre |
| Kantonaler Energieversorger, ab 1’000 m² | Contracting oder Dachmiete | fixer Strompreis oder Dachmiete, jährlich oder einmalig | typischerweise 30 Jahre |
| Grosser Energieversorger aus der Romandie, ab 2’000 m² | Contracting oder Flächenmiete | fester Preis während 25 Jahren | 25 Jahre |
| Stadtwerk in der Westschweiz, ab 400 m² | Contracting | stabiler Preis, Abnahme während mindestens 10 Jahren | 25 Jahre |
| Walliser Energieversorger | Contracting | indikativ 50 % unter dem normalen Strompreis | 10–25 Jahre |
| Spezialisierter Contracting-Anbieter, ab rund 45 kW | Contracting | 80 % des Netzbezugspreises, keine Dachmiete | 20–25 Jahre |
| Schulhaus einer Zürcher Gemeinde | erst Dachmiete, dann Strombezug | Dachmiete CHF 1’500 pro Jahr; neu 85 % des Netztarifs | nicht genannt |
Drei Preismodelle unterscheidet der Leitfaden von EnergieSchweiz:
- Fixer Strompreis über die ganze Laufzeit. Das Risiko schwankender Strompreise trägt der Contractor.
- Fester Rabatt auf den Preis Ihres Energieversorgers, etwa 15 oder 20 %. Steigt der Netztarif, steigt auch Ihr Solarstrompreis.
- Indexierter Preis, gekoppelt an Rückliefertarif, Eigenverbrauch, Teuerung oder Referenzzinssatz.
Faustregel des Leitfadens: Je höher der Eigenverbrauch, desto tiefer der Contracting-Preis. Für den Überschuss erhält der Contractor laut Swissolar heute rund 8 bis über 12 Rp./kWh, inklusive Herkunftsnachweisen. Für Ihre eigene Rechnung zählt aber vor allem, was Sie für Netzstrom zahlen. Was eine eigene Anlage kostet, lesen Sie unter Kosten einer Solaranlage für Firmen.
Wie lange laufen die Verträge, und was passiert am Ende?
Die meisten Anbieter schliessen Verträge über 25 Jahre ab. EnergieSchweiz nennt im Faktenblatt 2024 meist 25–35 Jahre. Einzelne Energieversorger nennen 30 Jahre oder 10–25 Jahre. Die Module halten laut Swissolar mehr als 30 Jahre.
Am Ende des Vertrags gibt es drei Wege:
- Heimfall: Die Anlage geht an Sie über, meist ohne Kosten. So regeln es zum Beispiel mehrere grosse Energieversorger.
- Weiterbetrieb: Der Vertrag wird verlängert oder erneuert. Einzelne Anbieter bieten auch den Kauf der Anlage an.
- Rückbau: Der Contractor entfernt die Anlage. Laut EnergieSchweiz wird das selten vereinbart.
Wollen Sie die Anlage früher übernehmen, legt eine Restwerttabelle den Preis für jedes Jahr fest. Mehrere Energieversorger sehen diese Übernahme zum Restwert ausdrücklich vor.
Contracting, Dachmiete oder Kauf: Was passt zu Ihrem Betrieb?
Der Kauf bringt den grössten Ertrag, das Contracting die kleinste Belastung. Die Dachmiete ist sinnvoll, wenn Sie den Strom kaum selbst brauchen.
| Kriterium | Kauf | Contracting | Dachmiete |
|---|---|---|---|
| Eigenes Kapital | ja, voller Betrag | nein | nein |
| Einmalvergütung des Bundes | an Sie | in der Regel an den Contractor | an den Betreiber |
| Ersparnis beim Strom | voller Netztarif | Differenz zum Contracting-Preis | keine |
| Risiko für Defekte und Ertrag | bei Ihnen | beim Contractor | beim Betreiber |
| Freiheit am Gebäude | voll | eingeschränkt während der Laufzeit | eingeschränkt während der Laufzeit |
| Aufwand | Planung, Gesuche, Unterhalt | gering | gering |
Contracting eignet sich besonders, wenn Ihr Kapital im Kerngeschäft gebraucht wird oder Sie kein Know-how aufbauen wollen. In einer Gewerbeliegenschaft mit Mietern kann der Contractor den Strom auch an einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) liefern. Den Mietern dürfen Sie den Solarstrom dann pauschal maximal zu 80 % des Preises verrechnen, den sie ohne Teilnahme zahlen würden.
Checkliste für den Contracting-Vertrag
Meist schliessen Sie zwei Verträge ab: einen Dachnutzungsvertrag und einen Stromliefervertrag. Swissolar bietet einen Mustervertrag für die Dachnutzung an, entwickelt mit den grossen Contracting-Anbietern. Prüfen Sie vor der Unterschrift diese Punkte:
- Preis und Indexierung: Fixpreis, Rabatt oder Index? Wie entwickelt sich Ihr Preis, wenn der Netztarif sinkt?
- Abnahmemenge: Müssen Sie eine Mindestmenge abnehmen? Was gilt, wenn Ihr Verbrauch sinkt?
- Dachzustand: Muss das Dach innert der Laufzeit saniert werden, sanieren Sie besser vorher. Einige Anbieter beteiligen sich daran.
- Umbau und Demontage: Wer zahlt Abbau und Wiederaufbau bei Arbeiten am Dach? Eine Pro-rata-Entschädigung sollte geregelt sein.
- Grundbuch: Der Contractor sichert sich meist mit einer Dienstbarkeit ab. Bei einem Verkauf der Liegenschaft übernimmt der Käufer den Vertrag.
- Konkurs des Contractors: Wer übernimmt die Anlage? Ein vertragliches Übernahmerecht schützt Sie.
- Rückbau und Sicherheit: Wer baut ab, und gibt es dafür eine Sicherheit?
- Restwerttabelle: Zu welchem Preis können Sie die Anlage vorzeitig übernehmen?
- Einmalvergütung und Herkunftsnachweise: Wem stehen sie zu, und sind sie im Preis eingerechnet?
- Versicherung und Haftung: Wer versichert die Anlage? Die Regeln der Gebäudeversicherung sind je nach Kanton verschieden.
Lassen Sie den Vertrag vor der Unterschrift rechtlich prüfen. Steuerliche Fragen klären Sie mit Ihrem Treuhänder.
Rechenvergleich: Kauf oder Contracting über 20 Jahre
Eine Gewerbeliegenschaft hat 2’000 m² Flachdach und verbraucht 500’000 kWh Strom pro Jahr. Auf das Dach passt eine Anlage mit 200 kW. Der Betrieb verbraucht 70 % des Solarstroms selbst.
Annahmen:
- Ertrag 950 kWh pro kW, also 190’000 kWh pro Jahr, davon 133’000 kWh im Betrieb.
- Vermiedener variabler Netzbezug 23,7 Rp./kWh als eigene Rechenannahme; feste Tarifbestandteile entfallen nicht automatisch.
- Kauf: Investition CHF 212’000 nach der Kostenkurve 2025 von EnergieSchweiz, Einmalvergütung CHF 56’800, Überschuss 7 Rp./kWh, Betrieb 2 Rp./kWh, einmal neue Wechselrichter für CHF 19’200. Für die Verlaufsgrafik wird der Ersatz im 13. Betriebsjahr angenommen; das ist eine Rechenannahme, keine Lebensdauerzusage.
- Contracting: Solarstrompreis 80 % oder 85 % des Netztarifs, keine eigenen Kosten.
- Ohne Teuerung. Mit Zins nur beim Kauf, weil nur dort Kapital gebunden ist.
| Über 20 Jahre | Kauf | Contracting zu 80 % | Contracting zu 85 % |
|---|---|---|---|
| Eigenes Kapital | CHF 212’000 (nach Förderung CHF 155’200) | CHF 0 | CHF 0 |
| Vorteil pro Jahr | CHF 31’710 | CHF 6’300 | CHF 4’730 |
| Vorteil nach 20 Jahren, ohne Zins | rund CHF 460’000 | rund CHF 126’000 | rund CHF 95’000 |
| Kapitalwert | nicht berechnet | nicht berechnet | nicht berechnet |
So entstehen die Zahlen beim Kauf: 133’000 kWh × 23,7 Rp. ergeben CHF 31’520 eingesparten Netzstrom. Dazu kommen 57’000 kWh × 7 Rp. = CHF 3’990 für den Überschuss. Davon gehen CHF 3’800 für den Betrieb ab. Nach 20 Jahren sind das CHF 634’200, abzüglich CHF 155’200 Investition und CHF 19’200 für Wechselrichter.
Beim Contracting sparen Sie 20 % von 23,7 Rp., also 4,74 Rp. pro kWh, auf 133’000 kWh. Nach 25 Jahren geht die Anlage bei vielen Anbietern kostenlos an Sie über. Ab dann sparen Sie wie beim Kauf.
Das Ergebnis hängt stark vom Strompreis ab. Zahlen Sie einen Leistungspreis und sparen pro kWh nur 18 Rp., bringt der Kauf rund CHF 308’000 ohne Zins und das Contracting zu 80 % rund CHF 96’000. Der Kauf bleibt im Vorteil, solange Sie das Kapital haben und den Betrieb organisieren können.
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Häufige Fragen und Antworten
Wer erhält beim Contracting die Einmalvergütung?
In der Regel der Contractor, weil er die Anlage betreibt. Er rechnet sie in seinen Strompreis ein und trägt das Risiko der Auszahlung. Wie hoch sie ist, zeigt der Ratgeber zur Einmalvergütung für grosse Photovoltaikanlagen.
Lohnt sich die Dachmiete, wenn ich kaum Strom verbrauche?
Oft ja. EnergieSchweiz empfiehlt sie für Dächer ohne nennenswerten Eigenverbrauch, etwa Lagerhallen. Sie erhalten ein Entgelt, ohne Risiko und ohne Investition. Prüfen Sie als Alternative eine eigene Anlage ohne Eigenverbrauch mit der hohen Einmalvergütung.
Was passiert, wenn ich die Liegenschaft verkaufe?
Ist der Vertrag als Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen, übernimmt der Käufer die Rechte und Pflichten. Klären Sie das vor dem Verkauf mit dem Contractor.
Kann ich die Anlage vor Vertragsende übernehmen?
Bei den meisten Anbietern ja, zum Restwert. Lassen Sie sich die Restwerttabelle für jedes Vertragsjahr in den Vertrag schreiben.
Gibt es Contracting auch in der Romandie?
Ja. Ein grosser Energieversorger aus der Romandie bietet Contracting ab 2’000 m² Fläche mit festem Preis über 25 Jahre an. Ein Stadtwerk in der Westschweiz beginnt bei 400 m² Dachfläche. Auch im Wallis gibt es Contracting, mit Verträgen über 10–25 Jahre. Für landwirtschaftliche Dächer lesen Sie den Ratgeber Solaranlage in der Landwirtschaft, für alle Wege im Überblick die Seite Photovoltaik für Unternehmen.
Quellen
- EnergieSchweiz: Faktenblatt «Was ist Solar-Contracting?», Februar 2024
- EnergieSchweiz: Leitfaden zu Solar-Contracting, 01.11.2022 (Preismodelle, Verträge, Heimfall, Konkurs, Einmalvergütung)
- Swissolar: Dachvermietung und Solar-Contracting (Erlöse, Unterhalt, Laufzeit, Lebensdauer, Mustervertrag), abgerufen 25.10.2026
- Angebotsseiten von sieben Schweizer Energieversorgern zum Solar-Contracting und zur Dachmiete (Mindestfläche, Preismodell, Laufzeit, Vertragsende), davon ein Factsheet von 2025, abgerufen 25.10.2026
- Angaben eines Schweizer Anbieters von Solar-Contracting zur Preislogik, abgerufen 25.10.2026
- Medienbericht, Dachmiete und Solarstrom für ein Schulhaus einer Zürcher Gemeinde, 22.07.2026
- Bundesamt für Energie und EnergieSchweiz: Photovoltaikmarkt, Preisbeobachtungsstudie 2025, Abschlussbericht vom 03.08.2026 (Kostenkurve, Wechselrichterkosten)
- Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom: Wegleitung Tarife 2026, Verbrauchskategorien C2–C4; Strompreise in den Rechenbeispielen sind eigene Annahmen, keine bestätigten Mediane.
- Energieförderungsverordnung (EnFV, SR 730.03): Anhang 2.1, Ziffer 2.9, Fassung vom 01.07.2026
- Energieverordnung (EnV, SR 730.01): Art. 16b (interne Kosten im ZEV), Fassung vom 01.07.2026
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